achtung ich komme 188x300 Achtung, ich komme!   In 80 Orgasmen um die Welt

Irgendwie tue ich mich schwer mit einer Bewertung dieses Buches. Henriette Hell hat mit „Achtung, ich komme!“ definitiv einen Nerv getroffen – das sieht man alleine an der Platzierung in den Bestsellerlisten. Kein Wunder, denn schließlich widmet sie sich dem Thema Sex einem wirklich grundlegenden Bedürfnis des Menschen. Genauso ist es auch ein mutiger Schritt, mit so einem Tabuthema sich in die Öffentlichkeit zu begeben und sich damit sicherlich auch Anfeindungen auszusetzen. Insgesamt ist „Achtung, ich komme!“ auch wirklich gut zu lesen und die Reise um die Welt ist wirklich kurzweilig – nur die sexuellen Teile wirken teilweise einfach etwas deplatziert.

Henriette Hell beschreibt auf knapp 250 Seiten einen Selbstfindungstrip, auf dem sie zur Yoga-Lehrerin wird, in anderen Ländern arbeitet und sich mit ihrer Sexualität beschäftigt. Alles wirklich schön zu lesen, würde man nicht alle paar Seiten wieder an ihre Suche nach dem Orgasmus erinnert. Immer wieder wird dem Leser das so außergewöhnliche Ziel vor Augen geführt, anstatt sich auf die Geschehnisse zu konzentrieren. Mein zweites Problem ist die komische Aufteilung des Buches – eigentlich ist „Achtung, ich komme!“ nämlich gar keine Weltreise, sondern ein Jahr Indien mit ein paar Extrastationen. So ab der Hälfte des Buches geht es in andere Länder, in denen man im Extremfall nur wenige Stunden für ein Landesfazit nutzt.

Mein Gefühl ist, dass etwa gen Ende des Indienaufenthalts die Idee dieses Buches entstanden ist und dann zu Vermarktungszwecken noch mehr Stationen abgeklappert wurden – eine Sexreise durch die ganze Welt klingt ja auch viel spannender als eine Reise nur durch Indien. Aber dies ist nur ein Gefühl und kann in der Realität sich komplett anders zugetragen haben. Insgesamt bietet Henriette Hell ein Buch, das sich unterhaltsam lesen lässt, aus dem man das ein oder andere sicherlich auch lernen kann und das viele Leser erfreuen wird. Eigentlich hat „Achtung, ich komme!“ also doch vieles richtig gemacht – nur lässt es mich immer noch rätseln zurück, wie ich das Buch nun eigentlich fand.