Alligatoah Triebwerke Cover 300x297 Alligatoah Triebwerke – Der Trick ist Lügen!
Der Name Alligatoah ist in der deutschen Hip-Hop-Szene schon seit einiger Zeit bekannt – an mir aber weitestgehend vorbeigegangen. Häufig den Namen, aber noch keine Lieder von ihm wirklich bewusst gehört. Jetzt hat er plötzlich mit Triebwerke Alligatoah Triebwerke – Der Trick ist Lügen! ein Platz-1-Album herausgebracht, dass sich mittlerweile schon in der dritten Woche in den Top 10 der Albumcharts hält. Nachdem ich in das Album nur einmal kurz auf Spotify reinhören wollte, läuft es nun seit einigen Tagen im Loop. Der Charterfolg kommt nämlich nicht von ungefähr. Das neueste Album von Alligatoah ist einfach ein von vorne bis hinten rundes Projekt und vielleicht das bis jetzt beste Rapalbum des Jahres.

Alligatoah ist wie er es nennt ein „Schauspielrapper“, der nicht die ausgelutschte Gangsterschiene fährt, sondern mit humorvollem Satirerap seine Nische gefunden hat. Mit den anderen großen Satirerappern K.I.Z. ist er dabei aber kaum zu vergleichen. Scheint es auf dem Papier ähnlich, sind es doch zwei absolut unterschiedliche Nischen. K.I.Z. sorgt viel mehr für ein Lachen, das einem im Halse stecken bleibt, während man sich bei Alligatoah über den Wortwitz und die überzeichneten Bilder freuen kann. Aber man sollte jetzt auch nicht denken, dass Alligatoah alberne Musik macht. Die Beats und Hooks gehen ins Ohr wie bei Cro-Liedern, nur setzen hier die Texte mit Wortwitz und Tiefe nochmals einen drauf. Vor allen Dingen schafft Alligatoah in Triebwerke Alligatoah Triebwerke – Der Trick ist Lügen! ein unglaubliches Gleichgewicht. Er ist bitterböse, wirkt aber nie düster. Er benutzt Fäkalsprache, baut sie aber so als Darstellungsmittel ein, dass sie nie vulgär wirkt.

Auf dem Album Triebwerke Alligatoah Triebwerke – Der Trick ist Lügen! perfektioniert Alligatoah diese Rolle. Nach dem politischen In Gottes Namen geht es diesmal um das Thema Liebe. Im weitesten Sinne. Ist es sonst meistens relativ einfach 2-3 Toptitel eines Albums auszumachen, hat der Rapper aus Niedersachsen mich dieses Mal mit jedem einzelnen Lied überzeugt. Jede Hook ist gelungen – jeder Text hat Witz – jedes Lied bringt eine neue Facette. Vor allen Dingen ist Alligatoah ein Tausendsassa. Er rappt gekonnt, kann besser singen als ein Großteil der Szene, schreibt Musik und Texte selber, produziert die Beats, spielt Gitarre – er macht einfach alles selber und macht alles mit einer unglaublichen Akribie. Dass er es dann auch schafft, die Features perfekt auszuwählen, ist eigentlich kein Wunder. Ich hab jetzt jedenfalls erst einmal einige Wochen zu kämpfen, um die ganzen Ohrwürmer, die mir dieses Album verpasst hat, wieder abzuschütteln. Danke.