Beim Dehnen singe ich Balladen 300x297 Beim Dehnen singe ich Balladen von Jürgen von der Lippe   Einfach frei Schnauze

Meine früheste Erinnerung an die Samstagabend-Unterhaltung ist wohl Geld oder Liebe. In den Neunzigern war Jürgen von der Lippe mit seiner Sendung eine Institution im TV und hat sich so in mein Gedächtnis eingebrannt. Sicherlich zählte er nicht zu den intellektuell anspruchsvollsten Fernsehmoderatoren, war aber mit seinem zotigen Humor eigentlich perfekt für das Unterhaltungsfernsehen. Von der Lippe ist aber nicht nur Moderator – in seiner langen, erfolgreichen Karriere hat er gesungen, geschauspielert, improvisiert, tourte auf Bühnen und brachte dabei immer sein Publikum herzlich zum Lachen.

Vor Kurzem erschien nun mit „Beim Dehnen singe ich Balladen“ eine Sammlung von Kurzgeschichten voller Kuriositäten aus dem Alltag. Wie bei solchen Sammlungen häufig, gefällt einem nicht gleich jede Geschichte, aber zumindest ein Schmunzeln war bei mir immer drin. Wirklich grandios werden die Kurzgeschichten aber erst in der Live-Situation. Zusammen mit Jochen Malmsheimer und Carolin Kebekus setzte sich von der Lippe in Köln drei Stunden vor das Publikum und setzte seinen Ideen die Krone auf.

Erst durch den geschickten Einsatz der Stimmen, die Unterhaltungen der drei Komiker und durch das Improvisationstalent des Trios werden die Geschichten zum Leben erweckt. Diese Situationskomik, der trockene Humor von Jochen Malmsheimer und die Reaktionen des Publikums haben dafür gesorgt, dass ich teilweise aus dem Lachen nicht mehr herauskam. Die Geschichten sind bereits nett, aber die Präsentation ist großartig – wahrscheinlich hätten von der Lippe, Kebekus und Malmsheimer zusammen sich auch an das Rezitieren von Einkaufslisten machen können und es wäre ein brauchbares Produkt entstanden. Wer mit dem Humor von Jürgen von der Lippe irgendetwas anfangen kann, kann blind zuschlagen.