Die Glücklichen 187x300 Die Glücklichen   Die Ängste der Gesellschafts  wissenschaftler

Wer will schon sein eigenes Leben lesen? Wer will die Realität in Buchform? Die Glücklichen ist definitiv kein Schönwetterroman – es ist vielmehr ein Versuch, einen Teil unserer heutigen Gesellschaft möglichst detailgetreu darzustellen. Das kann nicht jedem gefallen. Die betroffene gesellschaftswissenschaftliche Mittelschicht möchte vielleicht nicht die eigenen Ängste auf vielen Seiten ausgeweitet bekommen – andere können diese „Luxus-Ängste“ vielleicht gar nicht erst verstehen.

Protagonisten des Romans sind das Großstadtpärchen Isabell und Georg – sie Cellistin, er Journalist. Beide führen mit ihrem Kind ein eigentlich wirklich schönes Leben in ihrer Altbauwohnung und erfüllen dabei viele Klischees einer ökologisch bewussten Mittelschicht. Doch dieses behütete Leben beginnt zu bröckeln, als die Karrieren beider ins Stocken geraten und sie nun plötzlich sich mit Geldsorgen und den Ängsten vieler Musiker, Künstler oder Geisteswissenschaftler herumplagen müssen.

Der Roman schafft es ein wirklich reales, detailliertes Bild zu zeichnen und den Leser zu fesseln. Einen guten Teil trägt dabei auch Kristine Bilkaus Schreibstil bei. Die Glücklichen lässt sich trotz der schweren und ernsten Thematik ohne Probleme in kurzer Zeit durchlesen – so angenehm ist die komplexe, aber gefällige Schreibe. Auch wenn ich nun nicht zu den Experten für Literatur zähle und häufiger ein Sachbuch als einen Roman in die Hand nehme – Die Glücklichen habe ich gerne gelesen, hat mich zum Nachdenken angeregt und wird sicherlich nicht so schnell in Vergessenheit geraten.