Herr von Grau Freiflug 300x300 Herr von Grau Freiflug   Novembermusik
Herr von Grau ist ein Gegenprogramm. Auch wenn ihr neuestes Album im Hochsommer erschien, ist es keine Sommermusik. Während ein Rapper wie Cro mit sorglosen Tracks durch die Charts stolziert, macht Herr von Grau eher Musik, die nach November klingt. Ernst und kalt, aber doch schön. Es gibt Momente, die einen zittern lassen und Tracks, die einen eher zum Schmunzeln bringen. Am Ende sitzt man aber doch nur mit einem konsternierten Nicken dort und sagt: „Der Mann hat recht – so geht das nicht weiter.“

Für ihre Tracks haben Herr von Grau sich immer ein neues Thema ausgesucht, dass mit Wortwitz und Zynismus vor relativ sperrigen Beats präsentiert wird. Drogen, Altern, Gesellschaft, Religion. Das ist nur eine Auswahl ihrer Themen. Immer steht der Inhalt im Vordergrund und immer brauchen die Stücke etwas um sich ihren Weg ins Ohr zu bahnen. Gerade das Stück Gedichte und Genozide hat mich in dieser Richtung überzeugt. Es ist zwar das absolute Gegenteil von „catchy“, hat aber einen unglaublich starken Text. Gleich zu Beginn ins Ohr geht der Titel Ziehn Digger, der nicht nur musikalisch, sondern auch textlich leichtere Kost ist. Einen guten Mittelweg gehen gleich das erste Stück des Albums Dankbar und der letzte Track Schafe.

Der tiefere Sinn des Stückes Robocock hat sich mir leider noch nicht erschlossen. Während ein Stück wie Gassi verwirrende sphärisch zusammengemixte Samples des Satzes „Der bärtige Benny geht nochmal eine Runde mit dem Hund“ enthält, ist Robocock gefüllt von vulgären Filmnamenpornoparodien. Ob es um die Sexualisierung der Gesellschaft geht? Während mich Gassi bei jedem Hören etwas mehr reizt, hat mich Robocock leider überhaupt nicht erreicht. Auch nicht meinen Humor, falls es lustig gemeint war. Zum Glück sind die beiden Lieder Ausnahmen in einem im Großen und Ganzen gelungenen Album. Dennoch werde ich es jetzt erst einmal zur Seite legen, denn so gelungen das Album auch ist – im Sommer höre ich eher weniger Novembermusik.